Der Ursprung

des Tai Chi Chuan liegt in China und reicht viele Jahrhunderte zurück. Es gibt Erzählungen über die Entstehung, wie die Geschichte von dem taoistischen Mönch Chang San-Feng, der im 12. Jahrhundert n.Chr. Tai Chi Chuan entwickelt haben soll.
Er war ein Meister der äußeren, harten Kampfkünste, und entwickelte gleichzeitig seine inneren Kräfte in der taoistischen Meditation. Diese beiden Richtungen versuchte er miteinander zu vereinen. Als er den Kampf eines Kranichs mit einer Schlange beobachtete, entdeckte er in den Bewegungen des Kampfes die polaren Kräfte Yin und Yang und ihre Beziehung zueinander. In den Bewegungen der Schlange, die sich nachgiebig und geschmeidig in Kreis- und Spiralbewegungen windet, erkannte er das Yin. Durch die Bewegungen des Kranichs der sich leicht, blitzartig und geradlinig bewegt, erkannte er das Yang. Beiden Kampfstilen gemeinsam war die fließende, ökonomische Bewegungsweise. Aus dieser Inspiration heraus entwickelte er die 13 Bewegungsformen, eine Urform des heutigen Tai Chi Chuan.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Prinzipien, nach denen sich der menschliche Körper mit Leichtigkeit, Anmut und voller Energie bewegen kann, immer genauer untersucht und schließlich eingebracht in ein Übungssystem, das diese Bewequngsprinzipien vermitteln kann: Die Form des Tai Chi Chuan.

Der Yang-Stil

Traditionell wurden die Geheimnisse dieser Bewegungskunst innerhalb von Familien weitergegeben und vor Fremden gehütet. So mußte Yang Lu-Ch'an (1799-1872) sich im letzten Jahrhundert als taubstummer Diener getarnt in die damals berühmte Tai Chi-Familie Ch'en einschleichen um Tai Chi Chuan zu lernen. Heimlich beobachtete er den Untericht der Familie und übte nachts was er gesehen hatte. Eines Tages entlarvte er sich selber, als er bei der Demonstration einer vollendeten Stocktechnik des Meisters vor Begeisterung laut aufschrie.
Aber Meister Ch'en Chang-Hsing (1771-1853) war so beeindruckt von dem, was Yang Lu-Ch'an heimlich gelernt hatte, daß er ihn als Schüler annahm.
Etwa in der Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelte Yang Lu-Ch'an daraus den Yang-Stil. In diesem Fall ist Yang ein Familienname und hat nichts mit dem Gegensatzpaar Yin und Yang zu tun.
Zur damaligen Zeit war es in China Brauch, daß sich Meister der verschiedenen Kampfkünste gegenseitig herausforderten. Von Yang Lu-Ch'an sind achtzehn solcher Kämpfe überliefert, die er alle mit nicht mehr als zwei Bewegungen gewonnen haben soll. Dies brachte ihm den Beinamen "Yang, der nicht kämpft" ein.

Er war der Erste, der im letzten Jahrhundert begann, öffentlich zu unterrichten. Als er zum Lehrer des Kaisers bestellt wurde, mußte er alle andere Unterichtstätigkeit aufgeben.

Yang Chen-Fu

Die Gegenwart

Erst sein Enkel, Yang Chen-Fu (1883-1936), konnte nach 1911, dem Jahr der bürgerlichen Revolution in China, den Yang-Stil in ganz China verbreiten. Er unterrichtete im Laufe seines Lebens viele tausende Schüler, die zur Verbreitung des Tai Chi Chuans beitrugen. Leider erlebte der Yang-Stil dabei viele Veränderungen, so daß es heute hunderte von Variationen gibt, die zwar alle unter dem Namen Yang-Stil fallen, mit dem authentischen Original aber immer weniger gemeinsam haben.

Sein ältester Sohn, Yang Shou-Chung (1909–1985), begann im Alter von 8 Jahren Tai Chi Chuan zu lernen. Im Jahre 1949 wanderte er mit seiner Familie nach Hongkong aus und lehrte dort.